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Zungenschlag - hi/stories repeat themselves

Der Rap, der in den siebziger Jahren in der New Yorker Bronx als scheinbar neues musikalisch-dichterisches Randphänomen seinen Ausgang nahm, erobert inzwischen die Bühnen der Welt. Doch was als vermeintliches Novum Aufsehen erregt, greift auf uralte Themen und Formen zurück. Die Erzähler, die seit dem Altertum von Ort zu Ort zogen und auf öffentlichen Plätzen ihre Kunst präsentierten, verdichteten Erzählkomplexe zu Mythen, die dann von Sprachraum zu Sprachraum, von Ort zu Ort wanderten. Die lautliche Bindung dieser Texte durch Rhythmus und Reim, die sprachliche Improvisation, der spielerische oder aggressive Austausch mit dem Publikum - all das existiert seit Jahrtausenden, und wenn es in Europa seit der Renaissance zunehmend von der schriftlich fixierten Literatur verdrängt wurde, blieb es doch in zahlreichen außereuropäischen Kulturen erhalten. Migranten und globale musikalische Bewegungen wie der Hip-Hop transportieren diese Formen wieder in die westlichen Metropolen. Eine junge Generation von Dichterinnen und Dichtern räumt Lesepult, Wasserglas und Manuskriptstapel beiseite, um dem sprechenden, singenden, atmenden Körper Platz zu machen. Eine intensive akademische Auseinandersetzung mit Stimme und performance, Audio- und Fernsehproduktionen wie die MTV-Serie Spoken Word Unplugged zeugen von der Popularität dieser mündlichen Genres.

An drei Abenden will sich die literaturWERKstatt berlin dem Phänomen "mündliches Erzählen" nähern, dabei Kontinuitäten und Brüche zwischen Altem und Neuem aufzeigen und danach fragen, woher das neue Interesse an erzählerischer Unmittelbarkeit rührt.

 

Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds - Kooperationspartner: Museum für Kommunikation